Am 27.9.2026 haben sich 14 PaddlerInnen des Kanuvereins Bruchsal nach Plobsheim ins Elsass aufgemacht. Dort ist nämlich die Einsatzstelle des Krummen Rheins. Dazu mussten im Vorfeld einige Überlegungen angestellt werden. In Frankreich braucht man seit einiger Zeit eine Umweltplakette für das Auto und der Vereinsbus darf nicht nach Straßburg fahren. Das ist zwar ärgerlich, aber auch verständlich. Man will damit die Luft in der Stadt sauber halten, die Luftverpester müssen draußen bleiben. Besser ist es mit Öffies oder Rad zu fahren, was beim Bootfahren aber nur schwer möglich ist. Ich wusste schon immer, Bootfahren ist Motorsport! Also mussten wir mit 4 Autos fahren, die eine solche Plakette haben.

Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen dabei, 4 Autos unterwegs nach Frankreich. Um nach Bruchsal zu kommen, fahre ich 1 Stunde, von Bruchsal nach Plobsheim sind es nochmal 1h 17 min ( 116 km ). Das ist alles andere als umweltfreundlich. Und das alles für 19 km lustvolles Paddeln. Der Parkplatz in Straßburg war voll mit Autos und überall Müll. Ist das savoir vivre? ( gutes Benehmen oder verstehen, zu leben )
Die Tour war einfach schön, führte zunächst idyllisch durch die Gärten der angrenzenden Wohngebiete. Dann Natur pur, Felder, Wiesen, Wälder mit uralten Eichen. Eine labyrinthische menschenleere Welt in welcher der Fluss noch den Rhythmus bestimmt.


Immer wieder gab es Herausforderungen zu bestehen wie eine große Schwelle, die überwunden werden musste. Ein Kanadier ist gekentert, die anderen haben kräftig Wasser getankt. Durch den kurvigen Verlauf war man gezwungen, immer wieder in die richtige Richtung zu lenken. Zudem gab es Verhaue wie quer liegende Baumstämme oder Äste, die ins Wasser hingen. Es war also die volle Aufmerksamkeit der PaddlerInnen gefragt. Der Beginn der Stadt Straßburg und damit das wieder Eintauchen in die Zivilisation kündigte sich durch eine Mühle mit Schleuse an. Diese musste durch den Wald umtragen werden.


Nach der Ausfahrt aus der Schleuse kam von rechts ein starker Wasserschwall, der die Boote leicht abtrieb. Anschließend Gärten, Villen, Ruinen, Brücken, Parks, alles was eine große Stadt beherbergt und ehemals vorzuweisen hatte. Nach Passieren des Mainaustadions kam noch mal eine kurze Umtragestelle. Die Slalomstrecke der Straßburger Kanuten beginnt unter einem abenteuerlichen Brückenensemble. Kurz danach mündet der Krumme Rhein in die Ill, hier nach wenigen Metern befindet sich die Aussatzstelle. Bei schönstem Wetter waren 19 km Paddelstrecke geschafft. Hat sich die lange Anfahrt gelohnt? Ja, auf jeden Fall. Der Krumme Rhein kann sehr wohl mit dem geliebten Groschenwasser mithalten, da Natur pur.

Der Krumme Rhein hatte genügend Wasser, soviel, dass der Wasserstand bis an die Rasenkante der Grundstücke reichte. Offenbar haben die Franzosen keine Angst vor Überschwemmungen. Der Krumme Rhein wird über den Plobsheimer See gespeist, der seinerseits mit dem Rheingrundwasser in Verbindung steht und ökologisch bedeutsam ist. Es wäre fatal für die Biotopvielfalt, wenn der Fluss austrocknen würde.
Heißt das, dass wir PaddlerInnen viele Kilometer fahren müssen, um in Gewässern zu paddeln, die noch Wasser haben? Müssen wir uns darauf einstellen, in unserem Jahresprogramm auch Wanderungen und Radtouren vor Ort anzubieten, um die "Trockenzeit" zu überbrücken?
Am Samstag, den 3. Oktober ist eine Fahrt auf dem Groschenwasser geplant. Wieder eine längere Anfahrt, dieses Mal mit dem Vereinsbus.

Hoffen wir darauf, dass im Winter durch die Schneeschmelze wieder Wasser in die Flüsse gespült wird. Und ein bisschen mehr auf die Natur achten, weniger Auto fahren, Fahrgemeinschaften bilden ( was wir mit dem Vereinsbus ja schon machen ) und dafür Radfahren, wäre auch nicht schlecht.
Eure nachdenkliche
Brigitte